Medizinische News
Screening auf Chlamydien kann Spätschäden verhindern
Robert-Koch-Institut warnt: Erreger verbreitet sich unter jungen Menschen
in alarmierender Weise.
Nach neuesten Ergebnissen des Robert-Koch-Instituts sind urogenitale
Chlamydien-Infektionen die häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen
in Deutschland. Die Rate positiver Proben beträgt laut Dr. med. Viviane
Bremer, Berlin, 6,7 Prozent. Die meisten Ansteckungen finden in festen
heterosexuellen Partnerschaften statt, wo auf Kondome meist verzichtet
wird. In 80 bis 90 Prozent der Fälle sind beide Partner infiziert.
Die akute Infektion kann sich mit Ausfluss oder Schmerzen beim Wasserlassen
bemerkbar machen. Bis zu 80 Prozent der Infektionen verlaufen allerdings
asymptomatisch, erklärt Dr. med Gerd Böhmer, Hannover. Deshalb
unterbleibt eine Antibiotika-Therapie, die in frühem Stadium fast
immer erfolgreich ist. Schwere Folgeerkrankungen können sich somit
ungehindert entwickeln: Chlamydien-Infektionen stellen die häufigste
Ursache einer infektionsbedingten Sterilität dar. Außerdem können
sie zu Extrauterin-Graviditäten, Zervizitis, chronischen Entzündungen
im kleinen Becken (PID, pelvic inflammatory disease), Periappendizitis
und Perihepatitis führen.
Die Kenntnis dieses Risikos ist allerdings unter jungen Menschen kaum
vorhanden, betont Dr. med. Gisela Gille von der Ärztlichen Gesellschaft
zur Gesundheitsförderung der Frau (ÄGGF), Lüneburg. Die
Gesellschaft versucht, diese Informationslücke mit Aufklärungskampagnen
zu ändern.
Nur ein Chlamydien-Screening mit sensitiven Testverfahren und eine frühzeitige
Antibiotika-Therapie könnte die gravierenden Spätschäden
vermeiden. Derzeit werden in Deutschland weniger als 10 Prozent der 15-
bis 30jährigen Mädchen und Frauen getestet.
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